So hat alles angefangen:
Auf einem popeligen Commodore C-64 habe ich Anfang der 1990er meine ersten Schritte in Richtung Grafik gemacht.
Mit einem lärmenden Nadeldrucker und einem Scanner, der damals noch ein kleines Vermögen gekostet hatte, saß ich bis spät in die Nacht vor einem als Büro umfunktionierten Kleiderschrank in unserem Flur. Fü den C-64 gab es auch einige Steckmodule, die speziell auf das Erstellen und Verarbeiten von Grafiken ausgelegt waren.
Irgendwann kaufte ich dann in einem An- und Verkauf meinen ersten PC, einen 286er mit Betriebssystem MS-DOS und einem Zusatzprogramm namens "Windows", in der Version 3.0....
Frühjahr 1996: Schon seit einiger Zeit hatte ich mit dem PC kleinere Grafikaufträge ausgeführt, meist aus Gefälligkeit. So entstand die Idee, das Ganze beruflich zu machen und ich meldete zum 1.5.1996 mein Gewerbe an. Anfangs lag der Schwerpunkt noch auf der Erstellung von Computergrafiken, Visiten- und Speisekarten, sowie kleineren Beschriftungen. Natürlich konnte man davon nicht leben, daher führte ich das Gewerbe zunächst nebenberuflich aus.
Im Januar 1998 fragte mich der "Werbemensch", der für meine damaligen Arbeitgeber die Fahrzeuge beschriftete, ob ich nicht sein Geschäft kaufen wolle. Nach kurzen Verhandlungen sagte ich zu und war ab Februar 1998 hauptberuflicher Werbetechniker - ein Sprung ins kalte Wasser...
Die Geschäftsräume meines Vorgängers konnte ich übernehmen, ebenso Telefon- und Faxnummer und eine Mitarbeiterin - nicht die beste Idee, wie sich später herausstellte. Weil ich es nicht besser wußte, firmierte ich Anfangs noch als "Manfred Rock Beschriftungstechnik & mehr".
Nach einigem Ärger mit meinen Vermietern, auf den ich nicht weiter eingehen möchte, zog ich mit meinem Geschäft ins Winzler Viertel. Etwa zur gleichen Zeit wurde mir klar, dass mein Name, den ich überall groß draufgeschrieben hatte, eigentlich niemanden wirklich interessiert - viel wichtiger war doch, was ich machte. So entstand die Firmierung "Der Beschrifter", die ich bis zum Ende beibehalten hatte.
Durch meine Kontakte aus meiner Taxi-Zeit wurde ich in Pirmasens schnell bekannt und bekam auch viele lukrative Aufträge.
Die Zeit verging, es kamen bessere und schlechtere Zeiten, Aufträge in Pirmasens, Aufträge ausserhalb, Kleinaufträge, aber auch größere Projekte.
Die Technik entwickelte sich weiter. Während anfangs eher einfache Plotterschriften in ein oder zwei Farben gefragt waren, entwickelte sich die Nachfrage zusammen mit den neuen Techniken. Erste Digitaldrucke erschienen, zunächst nur mit sündhaft teuren Maschinen herzustellen, später dann zwar günstiger, aber von der Qualität her nicht so berauschend. Irgendwann stellte sich mir die Frage, wie es weitergehen soll: Viele tausend Euros zu investieren, um technisch auf dem neuesten Stand zu sein, oder weiterhin auf Werbung zu setzen, die ich mit meinen Plottern herstellen konnte. Auch über eine Vergrößerung des Betriebes hatte ich zeitweise nachgedacht, schlussendlich hatte ich aber alles beim Alten gelassen und es nicht bereut. Erschwerend kam hinzu, dass etliche Leute in Pirmasens der Meinung waren, mit einem PC, einigen Billigprogrammen und einem 200- Euro - Plotter ein Werbestudio zu haben. Viele haben es versucht, die meisten haben wieder aufgegeben.
Wieder ein Zufall führte mich mit einem Hersteller von Großformat-Drucken zusammen, der mir qualititiv hochwertige bedruckte Folien zu Spitzenpreisen anfertigte, damit war die Anschaffung eines Großformat-Druckers endgültig vom Tisch.
An einem Tag im September
genauer gesagt am 21. September 2011, war ich mit meinem Motorroller unterwegs zu einem Kunden.
Ein mir entgegenkommender Paketfahrer, der abbiegen wollte, war in Gedanken schon an der Klingel seines nächsten Kunden und hat mich schlicht und ergreifend übersehen. Das Ergebnis sieht man auf dem Foto...
Mein Schutzengel*in hatte ganze Arbeit geleistet, ich hatte "nur" zerissene Klamotten, ein kaputtes Handy und am ganzen Körper schmerzhafte Abschürfungen - aber es hätte viel schlimmer ausgehen können. Noch heute klingen mir die Worte der Polizeibeamtin im Ohr: Wenn Sie der Fahrer des Rollers sind - wieso laufen Sie noch herum....
Dieses Erlebnis war der Grund, warum ich geschäftlich voll auf die Bremse trat und es wesentlich langsamer anging. Mir wurde bewusst, wie schnell alles vorbei sein kann und - wie ich mich auf meine Mitarbeiter verlassen konnte, nämlich gar nicht. So habe ich meine Arbeit ab diesem Zeitpunkt alleine gemacht, mit Rufumleitung und Anrufbeantworter. Es hat zwar eine Weile gedauert, bis das bei meinen Kunden ankam, aber sie hatten Verständnis und blieben "ihrem Beschrifter" weiterhin treu.
Der Beschrifter - letzter Akt
Am 1.8.1975 bin ich mit einer Ausbildung zum Kfz-Mechaniker ins Berufsleben gestartet. So habe ich zusammen mit meiner Frau beschlossen, dass 50 Jahre Arbeit genug sind und habe als Enddatum meiner Selbstständigkeit den 31.7.2025 festgelegt.
Da ich nach 29 Jahren Selbstständigkeit meine Kunden ( zu vielen hatte ich mittlerweile ein freundschaftliches Verhältins aufgebaut ) nicht im Stich lassen wollte, suchte ich zunächst per Kleinanzeigen nach einem geeigneten Nachfolger, der das Geschäft in meinem Sinne weiterführt.
Es meldeten sich einige Interessenten, aber entweder hatten sie keine Ahnung - oder kein Geld, denn herschenken wollte ich die ganze Einrichtung auch nicht.
Eigentlich hatte ich die Suche schon fast aufgegeben, als ich über einen Kunden zufällig auf Familie Kissel gestoßen bin. Die Familie war mir von Anfang an symphatisch, zeigte sehr viel Interesse und verfügte zudem über einige Vorkenntnisse. Das alles war für mich Grund genug, meine ursprüngliche Vorstellung über den Kaufpreis nochmals zu überdenken - weniger ist oftmals mehr. So kamen wir schnell zu einer Einigung und ich konnte mein Geschäft zum 1.8.2025, also genau nach Plan übergeben.
Heute, etwa 6 Monate später kann ich sagen, dass mich mein Bauchgefühl nicht getäuscht hat, auch nach einigen Gesprächen mit ehemaligen Kunden bekam ich bisher nur positive Rückmeldungen.
An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Familie Kissel für den reibungslosen Ablauf der Übergabe und dafür, dass mein Geschäft nach so vielen Jahren in guten Händen ist und in meinem Sinne weitergeführt wird. Für mich ist das Projekt Beschrifter jetzt abgeschlossen und ich wünsche Familie Kissel von Herzen viel Erfolg und ein ebenso gutes Verhältnis zu ihren Kunden, wie ich es haben durfte.