So hat es angefangen
Irgendwann, etwa 1966 habe ich bei einem Ballonflug-Wettbewerb des PSV Pirmasens einen Foto-Apparat gewonnen. Da mein Opa damals Wirt der Vereinsgaststätte war bezweifle ich, dass damals alles mit rechten Dingen zugegangen war. Wie auch immer, mein Vater fotografierte, also musste ich das wohl auch. Er hat mir hin und wieder einen Film gekauft und mir dann erklärt, was ich bei meinen Bildern falsch gemacht habe.
Später hatte ich dann auf Klassenausflügen auch immer eine Kamera dabei und kaufte mir 1983 meine erste Spiegelreflex-Kamera.
In der folgenden Zeit hatte ich eigentlich mehr geknipst als fotografiert, so entstanden jede Menge Fotos von meinen Arbeitsplätzen, Ausflügen und natürlich von meiner Familie.
1999 erreichte mich die digitale Fotografie und ich begann, mit Digitalfotos zu experimentieren. Aber wichtige Dinge fotografierte ich nach wie vor analog - oder filmte sie mit meiner Videokamera.
2002 fragte mich ein ehemaliger Geschäftspartner ob ich überhaupt wisse, was man mit so einer Kamera alles anstellen kann.... Er lud mich ein, in seinem Wohnzimmer-Studio bei einem Fotoshooting dabeizusein. Wie sich später herausstellte war dieser Mann extrem misstrauisch, neidisch und hatte zudem einen ziemlich überschaubaren Horizont, wenn die Fotos mal etwas freizügiger werden sollten. So dachte ich mir: Wo der aufhört, fange ich an - und so kam ich zu meinen ersten Studioversuchen. Aber bitte nicht falsch verstehen - auch ich hatte meine Grenzen, wo Freizügigkeit aufhört und Schweinkram anfängt.
Zunächst einmal stellte sich die Frage, wohin die Reise nun gehen sollte. Erste Überlegungen gingen in Richtung "zweites Standbein" und ich meldete das Gewerbe an.
Es dauerte nicht lange, bis erste Terminkonflikte mit meinem Geschäft "Der Beschrifter" auftraten und das Fotostudio wurde mehr und mehr zum Hobby. 2008 bis 2010 machte ich die meisten Fotos, es machte richtig Spaß und war ein idealer Ausgleich zu meiner "normalen" Arbeit.
Zwischendurch machte ich auch Erfahrungen im Bereich Kinderfotografie, eine Idee, die ich dann aber schnell wieder verwarf. Nicht die Kinder waren das Problem, sondern die Eltern, Großeltern und vor allem die Geschwister, die in einem Fotostudio eher einen Abenteuerspielplatz sahen.
So konzentrierte ich mich auf das, was mir am meisten Spaß machte - die Fotografie von Frauen und gelegentlich auch von Paaren. Das Ganze fand größtenteils auf TFP-Basis (Time for Pictures) statt, was aber hin und wieder auch zu Problemen führte - überhaupt mit den jeweiligen Partnern.
Dazu muß ich aber sagen, dass ich mir jederzeit darüber im Klaren war, dass ich verheiratet bin und meine Finger da gelassen habe, wo sie hingehören - was man nicht von allen "Knipskollegen" behaupten kann.
So ist das noch eine Zeitlang gegangen, es gab Leute, mit denen ich gerne gearbeitet habe und solche, bei denen es bei einem Shooting blieb.
Die Evolution machte auch vor mir nicht halt und ich musste feststellen, dass sich die Erwartungshaltung meiner Modelle verändert hatte. Man erwartete keine Fotos wie man ist, sondern solche, wie man sein möchte.
Anfangs war ein Foto-Shooting noch ein Erlebnis, das nicht alltäglich war und auf das man sich intensiv vorbereitet hatte. Analoge Fotografie war teuer, die Anzahl der Fotos begrenzt.
Mit der Digitalfotografie wurde vieles einfacher, ein Fotoshooting wurde billiger, bei einer größeren Anzahl von Fotos, kurz gesagt, es wurde zu etwas Alltäglichem.
Dann kamen die Smartphones mit ihren immer besser werdenden Kameras, immer größeren Speicherplätzen und immer einfacheren Möglichkeiten, die Bilder zu bearbeiten. Die Mittelmäßigkeit hielt Einzug. Man brauchte keine Fotos mehr zum Verschenken, man brauchte Fotos für´s Internet, für soziale Medien usw. Die Nachfrage nach handwerklich guten Fotos ließ nach, warum soll man aber auch einen Termin für ein Shooting machen, wenn Handy-Fotos reichen ?
Schließlich wurde auch die KI für die Masse verfügbar. Fotoshooting ? Muß nicht mehr sein, ein mittelmäßiges Handyfoto und ein paar (meist kopierte) Worte reichen, um aus Aschenbrödel eine Prinzessin zu machen. Es ist beängstigend, wie weit die Technik fortgeschritten ist, aber auch traurig, weil sich die Leute selbst belügen und sich in eine Phantasiewelt flüchten.
Da der Unterhalt meines Studios jede Menge Zeit und Geld beanspruchte, habe ich dann 2024 mit den Studiofotos aufgehört. Irgendwie war ich es leid, ständig Termine absagen zu müssen und den Modellen regelrecht hinterher zu rennen.
Mittlerweile bin ich im Ruhestand, ein Studio habe ich nicht mehr - aber meine Kameras, Drohnen usw. hab ich noch. Daher ist es nicht auszuschließen, dass ich irgendwann nochmal Fototermine mache - aber nur draußen und mit Leuten, die ich kenne.
Wie geht es weiter ? Kann und wird KI die Mode- und Werbefotografie ersetzen?
Kurz gesagt: Nein – aber sie verändert sie stark.
KI kann heute schon Models generieren, Sets simulieren und komplette Kampagnenbilder erschaffen. Das spart Zeit und Kosten, vor allem für schnelle Entwürfe, Social-Media-Content oder einfache Produktvisualisierungen.
Trotzdem gibt es Dinge, die KI (noch lange) nicht wirklich ersetzen kann:
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echte Emotionen und Persönlichkeit von Menschen
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spontanes Zusammenspiel am Set (Model, Fotograf, Stylist, Licht)
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kreative Entscheidungen im Moment
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Authentizität, Storytelling und Marken-Gefühl
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reale Texturen, Lichtstimmungen und Zufälle
In der Praxis wird KI eher zum Werkzeug als zum Ersatz:
Fotografen nutzen sie für Retusche, Composings, Moodboards oder Previsualisierung – während echte Shootings weiterhin den Kern hochwertiger Mode- und Werbefotografie bilden.
Hier noch zwei Beispiele, auf der einen Seite ein "reales" Foto, auf der anderen Seite, was KI so macht.
Zunächst ein Foto, das ich mit Nicky gemacht habe
Das macht ChatCPT - ohne Modell, ohne Auto, ohne rauszugehen.
Hier den Prompt, den ich ChatCPT gegeben habe:
Erstelle ein Foto: Ultra-realistische Outdoor-Fashion-Fotografie im Querformat (3:2). Eine junge erwachsene Frau (etwa 20 Jahre alt) mit schulterlangem, weich gelocktem blondem Haar liegt seitlich ausgestreckt auf der Motorhaube eines silbergrauen Sportcoupés mit zwei schwarzen Racing-Streifen über der Haube. Die Frau hat helle Haut, dezentes Make-up, dunkle Augen, leicht nach links blickend mit ruhigem, selbstbewusstem Gesichtsausdruck. Pose: Sie liegt halb seitlich auf der Motorhaube, linker Arm locker abgestützt, rechter Arm entspannt vor dem Körper. Ein Bein angewinkelt, das andere ausgestreckt. Kleidung: – enge schwarze Jeans mit deutlich sichtbaren goldfarbenen Ziernähten und Reißverschlussdetails – cremefarbenes ärmelloses Top mit kurzem Front-Reißverschluss, der etwas geöffnet ist – schwarze offene High-Heel-Sandalen mit Plateausohle und extrem dünnem Absatz – schwarzer Cardigan locker getragen – silbernes Armband, silberne Halskette mit den Buchstaben "NICKY" Fahrzeug: modernes silbergraues Sportcoupé, glatte glänzende Lackoberfläche, schwarze Doppelstreifen auf der Motorhaube, Frontscheibe leicht beschlagen, kleiner hängender Auto-Anhänger im Innenraum sichtbar. Umgebung: weite ländliche Landschaft mit sanften Hügeln, grüne und braune Felder, mehrere hohe weiße Windkraftanlagen im Hintergrund, perspektivisch gestaffelt. Leicht nebliger Himmel, bewölktes spätes Nachmittagslicht, weiche natürliche Farben. Kamera: leichte Untersicht, 35mm Objektiv, geringe Tiefenschärfe, Fokus auf Model und Fahrzeug, Hintergrund sanft weichgezeichnet. Licht: natürliches diffuses Tageslicht, dezente Aufhellung von vorne, leichter Kontrast, realistische Hauttöne. Stil: professionelle Automobil-Lifestyle-Fotografie, extrem fotorealistisch, cinematic color grading, high dynamic range, feinste Texturen sichtbar, natürliche Proportionen, keine Überzeichnung. Qualität: 8k, ultra sharp, RAW photo look. Negativ-Prompt cartoon, illustration, CGI, plastic skin, overprocessed, extra fingers, distorted body, unrealistic car, fantasy lighting, blur, low resolution, artifacts
Hier noch einige Beispiele, wie man dieses Bild nur mit ein paar Worten in ein paar Sekunden verändern kann....
Das Basisbild
Hier noch ein paar Beispiele für "personenbezogene" KI-Bearbeitung. Dazu habe ich mich selbst als "Versuchskaninchen" verwendet.
Mit dem richtigen Prompt kannst Du überall auf der Welt, zu jeder Zeit und mit jeder Identität sein.
Zu den Fotos der Diashow muß ich sagen, dass sie allesamt mit kostenlosen Versionen von ChatCPT und Gemini erstellt sind. Als Basis für meine Person diente das Foto links, das ich bewusst ausgewählt habe, weil es schlecht ausgeschnitten und auch sonst nicht besonders gut gelungen ist.
Soviel zur KI - bleibt zu sagen, dass die verwendeten Bearbeitungsprogramme kostenlos und frei erhältlich sind. Natürlich stimmen Gesichtszüge und Proportionen nicht immer zu 100 % mit dem Original überein - ABER: Wie gesagt, es handelt sich um die Allerweltsausgaben der Programme, technische Spielereien. Ich möchte mir erst gar nicht vorstellen, was eine richtig professionelle KI alles leistet, oder auch die Versionen aus dem Darknet, die keinerlei Richtlinien kennen...
Momentan macht es mir noch Spaß, Fotos zu generieren. Vorher hatte ich eine Bild-Idee im Kopf, die ich umsetzen wollte. Um die Idee zu verwirklichen mußte ich mich erst einmal um die nötigen Accessoires kümmern. Einen Mustang oder einen Ferrari bekommst Du nicht für kleines Geld an jeder Ecke. Dann musste ich noch das richtige Modell finden, überzeugen und eventuell einkleiden. Am Ende war die Idee dann doch nicht so gut, wie erhofft und alles war für die Katz.
Natürlich war keins meiner Shootings wirklich für die Katz, mir hat es immer einen Riesen-Spaß gemacht, mit den Leuten zu arbeiten und Fotos zu machen. Nun ja, Zeiten ändern sich und: Ganz vorbei ist es ja noch nicht...