Auf Achse (2022)

 

Seit der ostfriesischen Reise sind viele Kilometer zusammengekommen. Rund 40 Touren waren es inzwischen – lange, kurze, spontane, geplante und auch mehrmals an denselben Ort.
Nicht jede Fahrt muss weit gehen, nicht jede Reise neu sein. Manchmal reicht ein Wochenende und ein Ziel, das man kennt.


Genau so beginnt auch der Neustart meiner Erzählung.


 

Unsere erste Fahrt nach der Pause ging deshalb nicht ans andere Ende Europas, sondern ganz entspannt nach Remich in Luxemburg. Etwa 100 Kilometer – eine Strecke, die wir gut kennen. Meist geht es ums Tanken oder Einkaufen. Dieses Mal ging es ums Wochenende.

Wie es sich gehört haben wir den Wohnmobil-Stellplatz in Remich angefahren.

12.- Euro / 24 Stunden ist zwar nicht billig, aber fair, zumal Strom und V/E im Preis inbegriffen sind. Der Platz war angenehm ruhig und sauber.

Etwa 200 Meter weiter befindet sich ein beliebter „Wildcamper-Platz“ an einer Slipanlage, die auch an diesem Wochenende gut besucht war. Im Gegensatz zu unserem Stellplatz war dieser Platz alles andere als sauber. Die Mülleimer quollen über - was aber sicherlich nicht am Reinigungsdienst, sondern eher am Verhalten der Camper lag. Einer dieser Experten hatte dabei offenbar seinen kompletten Hausrat dabei, neben seinem gut gefüllten Hänger stand ausserdem noch ein dröhnendes und rauchendes Stromaggregat - Rücksicht, das ist eben so eine Sache....

Uns störte das nicht weiter, wir machen uns ein schönes Wochenende, sahen den Campern vom „anderen Ufer“ in Nennig beim „Abcampen“ zu und ließen den Tag mit einem guten Essen im Olympus-Grill ausklingen.

Am Tag darauf machten wir noch eine Radtour nach Schengen, dann war es auch schon wieder Zeit für die Rückfahrt - die Arbeit ruft...


Der nächste Kurztrip führte uns wieder an die Mosel, diemal Richtung Kröv. Der Stellplatz direkt an der Mosel war eher ein Parkpatz, aber für 8.- Euro noch in Ordnung. Allerdings war der Platz abends nicht beleuchtet, Mülleimer gab es auch nicht.

Corona warf noch seine Schatten, der Platz sollte in der Tourist-Info oder in einem (in der Nebensaison) total überlasteten Café-Restaurant bezahlt werden - dann eben nicht...

Trotzdem haben wir im Hotel-Restaurant „Mosel-Terrasse“ gut und günstig gegessen. Anstelle der überall geltenden 3G-Regel gab es hier sogar 4G ! Geimpft - Genesen - Getestet oder Bargeld ;-)

Wir machen auch noch einen kurzen Abstecher zum Campingplatz „Kröver Berg“ und fanden eine Kulisse wie in einem Horror-Film vor. Statt einem einladenden Eindruck bekamen wir das genaue Gegenteil – nämlich NICHTS ! In der Umgebung gab es nur das Restaurant am Platz, wir waren „am Arsch der Welt“ und fuhren weiter, nachdem wir ca. 10 Minuten an der Theke gestanden hatten, ohne einen Menschen zu sehen...

So sind wir weitergefahren und in Traben-Trarbach gelandet. Der Stellplatz war modern und kostete 14,60 Euro/24 Std. incl. Strom und Wasser. Zum Ort war es etwa einen Kilometer zu laufen, allerdings waren viele Gaststätten und Geschäfte geschlossen - schön war´s trotzdem.


Ich hätte es wissen müssen....

März 2022 – die ersten etwas wärmeren Sonnenstrahlen und ein freies Wochenende. Dazu die extrem hohen Spritpreise – ein Grund, um etwas gegen unsere „Untermoselung“ zu tun und ins Dreiländereck zu fahren.

Das WoMo hatte ich in den letzten Tagen und Wochen schon auf Vordermann gebracht und (fast) alles Mögliche durchgecheckt.

Freitagabend war es dann soweit. Die Tanknadel zeigte auf 1/4 – sollte bis Luxemburg reichen. Erste Zweifel daran kamen mir, als etwa 30 Kilometer vor der Grenze das Reserve-Licht lag. Egal – ich vertraue meiner Tankuhr und fahre weiter…

…und es hat gereicht. Mit dem letzten Tropfen erreichten wir die erste Tanke in Luxemburg. Der Liter Diesel kostete dort tatsächlich 52 Cent weniger als bei uns – erster Erfolg bei über 70 Litern.

Nach dem Tanken ging es weiter nach Remich zum dortigen Stellplatz – doch der war voll – offenbar hatten noch einige andere Leute die gleiche Idee. Das war aber auch kein größeres Problem, ein paar Meter weiter gibt es einige Stellen, an denen immer irgendwelche Wohnmobile stehen. Dort fanden wir einen Platz direkt an der Mosel. Es folgte der obligatorische Spaziergang nach dem Abendessen – Arbeit und Probleme waren weit weg und die Welt war absolut in Ordnung.

Der nächste Morgen begann mit einem köstlichen Frühstück, Wasserversorgung, Kühlschrank und Heizung hatten den Winter offenbar gut überstanden. Nach dem Frühstück wollten wir zum Einkaufen und dann passierte es: Beim Umdrehen des Zündschlüssels passierte NIX !

In diesem Zusammenhang fiel mir schlagartig ein, dass unser WoMo ja den ganzen Winter über drinnen gestanden hatte und am Strom angeschlossen war. Nach einer Nacht mit Temperaturen um den Gefrierpunkt hatte die Batterie offenbar kein Interesse, ihren Job zu machen – ich hätte das wissen müssen….

Blödsinnigerweise kam ich dann auf die glorreiche Idee, das WoMo anzuschieben, schließlich stand es ja auf ebenem Untergrund. Was ich dabei nicht bedachte war, dass dieses Fahrzeug 3,5 Tonnen auf die Waage bringt und dass ich keine 30 mehr bin. Nach etwa einem halben Meter bekam ich einen stechenden Schmerz in die Wade – Muskelfaserriss – und nichts ging mehr – gar nichts, keinen Meter…

….auch das hätte ich wissen müssen

Meine Frau erinnerte sich dann schließlich an einen früheren Besuch in einem Baumarkt, der etwa 3-4 Kilometer entfernt war und wir machten uns auf den Weg – humpelnd. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir tatsächlich diesen Baumarkt und fanden dort sogar ein Regal mit einigen Autobatterien – ein Gefühl wie Weihnachten und Ostern zusammen. Die größte dieser Batterien hatte zwar einige AH zu wenig zu bieten, aber es sollte reichen um nach Hause zu kommen. Blieb noch die Frage, wie wir das Teil zum WoMo befördern sollen. Glücklicherweise fanden wir in der Haushaltsabteilung des Marktes einen „rollenden Einkaufswagen“ für knappe 30 Euronen und wir machten uns auf den Rückweg, was erstaunlich gut klappte. Vielleicht hatte ich mich auch einfach nur an die Schmerzen gewöhnt. Der Einbau der Batterie war Routine und wir waren wieder mobil.

Trotz Schmerzen beim Laufen machten wir dann unsere Einkäufe und verbrachten einen schönen restlichen Tag an der Mosel. Am nächsten Morgen kam dann “ der große Moment, an dem der Elefant sein Wasser lässt“ und ich drehte den Zündschlüssel um – trotz einiger fehlenden AHs gab es keine Startschwierigkeiten und wir kamen sicher zu Hause an. In den nächsten Tagen werde ich noch humpeln und schmunzelnd an diesen Saisonstart zurückdenken. Auch Batterie und Lichtmaschine werde ich nochmals überprüfen, damit so etwas nicht mehr passiert. Schön war´s trotzdem.


Die nächste Fahrt über den 1. Mai führte uns nach Wissembourg /Frankreich.. Der einfache Stellplatz war kostenlos, die Entsorgung mit „PassEtapes“ kostete 5,50 Euro – brauchten wir aber nicht.

Der Platz war sehr ruhig, wir haben den Ort besichtigt und im Restaurant La Rose richtig gut gegessen. Am nächsten Tag machten wir eine Wanderung zum Deutschen Weintor in Schweigen - auch dort gab es gutes Essen....

Ein „Schmankerl“ gab es noch, als ein - sagen wir mal Chaos-Camper - nachts um 2 Uhr mit viel Tamtam anreiste und bei dieser Gelegenheit Bekanntschaft mit einem französischen Baum machte . Kleine Sünden bestraft der Herr sofort...

Auf dem Heimweg besuchten wir noch die Kapelle St. Anna und den Berwartstein und probierten dort den Flammkuchen...


Zwischendurch fuhren wir mal wieder nach Neuburg am Rhein, dort sind wir öfter. Auf einem Parkplatz am Rhein stehen immer einige Wohnmobile, diesmal auch.

Wir konnten erleben, dass es die "Pension Sachsenruh" immer noch gibt, dieses Mal in Form eines BMW X3 mit Leipziger Kennzeichen und Dachzelt... Chaos-Camper gabs hier auch, ein Camper mit seinem riesengroßen Flair-Mobil stellte sich einfach mal mitten rein, wobei man erwähnen sollte, dass die restlichen Fahrzeuge auch wie Kraut und Rüben standen. Von Neuburg bis Lauterbourg (F) sind es nur ein paar Kilometer, die wir mit dem Rad zurückgelegt haben.


Die nächste Tour ging nach Kehl. Der Stellplatz war für 12,- Euro in Ordnung – die Camper allerdings nicht. Immer wieder verwechseln die Leute - in diesem Fall "Ossis" - den Stellplatz mit einem Campingplatz. Sie hatten sich zwischen ihren Fahrzeugen heimelig gemacht und lärmten eigentlich den ganzen Tag – bis spät in den Abend.

Zur Innenstadt war es nur etwa 1 Kilometer, es gab viele Cafés, Restaurants, aber auch Spiel- und Sportplätze, was auch an der Info-Tafel am Platz zu sehen war. Einen Faltplan gab es kostenlos dazu.

Einziger Wermutstropfen: Ständig kamen irgendwelche Leute zum Entsorgen auf den Platz - das nervte ein wenig.

Am nächsten Tag machten wir zunächst einen Einkaufsbummel durch Kehl und fuhren dann mit dem Rad über den Rhein nach Straßburg und nach dem Essen wieder zurück. Sonntags fuhren wir dann mit der Straßenbahn nach Straßburg (günstiges Ticket für 3 Personen, 24 Stunden) und stellten fest, daß es sie noch gibt - die typisch deutschen Touristen, bzw. die arroganten Herrenmenschen für die man sich als Deutscher schämen muß.

Da unser Ticket für 24 Stunden gültig war, fuhern wir abends nochmal nach Straßburg. Anscheinend waren nun alle hässlichen Menschen zu Hause, es war richtig was los, Cafés und Restaurants waren gut besucht. Montags dann die Rückfahrt über Frankreich, zwischendurch noch Einkaufen - alles wie immer....


 

Wieder ein Wochenende unterwegs - diesmal in Wintrich / Mosel. Die Nacht auf dem Stellplatz kostete 12,50 €, incl. Strom und V/E.

Der Platz hat sehr großzügig ausgelegte Parzellen und verfügt auch über Sanitäranlagen - ideal für Neu- und Coronacamper...

Der Stellplatz ist also auch ideal für Campingbusse ohne WC und Nasszelle, wird allerdings auch gerne für längere Aufenthalte genutzt. Das Freizeitangebot in dieser Region ist allerdings überschaubar, etwa 200 Meter vom Platz ist eine Schleuse und die Bedienung der nahegelegenen Gaststätte war trotz nur einer handvoll Leute hoffnungslos überfordert.


Vor der nächsten Tour haben wir den "Dicken" mal auf die Waage gestellt - 20 Kilo Übergewicht - sollten noch vertretbar sein...

Nächster Stop

RUHRPOTT


 

Diese Tour geht auf das Konto unsererer Kinder. Sie haben meiner Frau Karten für Starlight-Express in Bochum geschenkt - also mussten wir da hin....

Die erste Übernachtung (Donnerstag) hatten wir mal wieder in Köln am Adenauer-Ufer, diesmal allerdings wegen einer Veranstaltung etwas weiter hinten. Mit dem Rad ging es auf die andere Rheinseite - ich wollte auch mal sehen, wie das am „anderen Ufer“ so ist. Danach drehten wir noch eine Runde auf dem Riesenrad am Schokoladenmuseum.

 

Freitags geht es dann mit der Seilbahn über den Rhein, in Deutz eine Rundfahrt mit der Mini-Bahn, dann zu Fuß zurück über die Deutzer Brücke. Dort gab es noch eine Rundfahrt mit der Touristen-Bahn – auch das sollte man mal mitgemacht haben. Mittlerweile hatte sich zwischen Adenauer-Ufer und Zoobrücke jede Menge „Camper“ eingefunden, die sich um keinerlei Markierungen und Verbotsschilder scherten. Teilweise stehen dort sogar abgehängte Wohnwagen - natürlich mit Tisch und Stühlen davor. Wie auch immer - wir verbrachten eine ruhige Nacht und fuhren Samstags weiter Richtung Wuppertal.

Ein Hoch auf das 9-Euro-Ticket! Das haben wir gekauft und sind erst einmal mit der Schwebebahn gefahren. Stellplatz und Entsorgung am Panoramabad waren kostenlos, allerdings standen dort auch einige Wohnwagen und -Mobile von Einheimischen - aber was soll´s - hat ja nichts gekostet...

Sonntags geht es dann nach Bochum. Am Starlight-Theater fanden wir einen Stellplatz für 10.- Euro/Nacht. Die Autobahn war deutlich zu hören, aber für eine Nacht war es völlig ok. Ca. 250 Meter entfernt war eine Bushaltestelle, dank 9-Euro-Ticket ging es dann ohne weitere Kosten ins Zentrum und ins „Bermuda-Dreieck“.

Starlight-Express war der Hammer, allerdings störte mich die politische Einlage in Form der eingerollten russischen Fahne - das hat dort nichts verloren!

Am Montag fuhren wir dann weiter nach Duisburg-Nordpark - kostenloser Stellplatz mit Entsorgung. Außer einer alten Industrieanlage, die kostenlos zu besichtigen war, gab es dort NICHTS ! Da war zwar eine Bushaltestelle, aber keine Info, wann und wohin diese Busse fahren... Wer sich aber für das Balz- und Paarungsverhalten der Duisburger Dorfjugend interessiert, kommt dort voll auf seine Kosten. Der Lärm geht bis nach 1 Uhr nachts...

Dienstags ging es dann noch nach Düsseldorf, Stellplatz 50 Meter neben einem bekannten Fußball-Kiosk für 18.- Euro/Nacht - ohne alles, ein reiner Parkplatz. Dafür gab es „Unterhaltung“ bis etwa 3 Uhr nachts. Düsseldorf selbst war in Ordnung, Altstadt und Kö sehenswert, aber beim Essen kommen die Bettler an den Tisch gelaufen – einige werden sogar sehr aufdringlich. Das Verhalten des Servicepersonals ließ aber erkennen, dass es kein Einzelfall war. Ansonsten alles gut, Erdbeerbecher für 16,50 € - aber mit Blick auf den Rhein...

Mittwochs ging es dann wieder in Richtung Heimat - bis auf Starlight-Express brauchen wir den Ruhrpott nicht mehr...


Unsere nächste Tour führte uns mal wieder an die Mosel - nach Enkirch - ein Paradies für Dickschiffe und Hängerfetischisten. Ein riesengroßer Stellplatz für 10.- Euro /24Std. ohne Markierungen und offenbar ohne Kontrollen. Hier steht jeder, wie er will. Einige "Dickschiff-Kapitäne" hatten vorgesorgt und für den Landgang ihren PKW mitgebracht, der natürlich auch auf dem Platz neben dem Hänger und der ausgefahrenen Markise Platz fand. Trotz der chaotischen Zustände war es angenehm ruhig auf dem Platz. Abends fand ganz in der Nähe ein Fest statt, bei dem es allerdings nur Wein und kein Bier gab. Enkirch selbst ist ein ruhigen Ort mit vielen alten Häusern und einigen Restaurants. Eine Personenfähre über die Mosel gibt es auch. Sehr zu empfehlen ist auch der Imbiss in der Nähe des Stellplatzes. Samstag war zu unserer Überraschung auch ein Pirmasenser Schuhhändler vor Ort, bei dem wir als Bärmesenser natürlich eingekauft haben...


 

Zwischendurch war der Dicke auch mal beim TÜV und bei der Gasprüfung. Beides hat er mit Bravour gemeistert.

Allerdings hatten wir ein anderes Problem: Die Mischbatterie in der Duschkabine war undicht, so dass Wasser auf der Entsorgungskassette stand. Dank Amazon und etwas handwerklichem Geschick ließ sich das Problem aber schnell und günstig lösen.


Auch die nächste Tour ging an die Mosel - und ausnahmsweise hatten wir uns mit einem befreundeten Ehepaar verabredet. Wir trafen uns in Zell am Stellplatz Römerquellen. Der sehr aufgeräumte Platz kostete 9.-€ /24 Std, Strom ging extra. Nachdem wir unseren Weinvorrat (schwarze Katz) aufgefüllt hatten, ging es zum Abendessen ins Gasthaus "Turmblick" - sehr zu empfehlen.  Samstag gingen wir es dann locker an, es blieb bei einem Stadtbummel und einem ruhigen Nachmittag.  Der Abend war dann nicht ganz so ruhig, ein "Neucamper" musste dutzende Male sein Fahrzeug öffnen und wieder abschließen, natürlich mit fernbedienung. Jedes Mal ertönte ein akustisches Geräusch und das Licht ging an. Warum muß ich mein Auto abschließen, wenn ich direkt daneben sitze? So sind wir eben nochmal zum Turmblick gegangen und hatten unsere Ruhe.

Sonntags machten wir noch eine Radtour nach Alf / Bullay, dort ist eine alte Eisenbrücke zu bestaunen, die auf zwei Ebenen für Autos und Eisenbahn ist. Trotz muskelbetriebenen Rädern war die Strecke gut zu fahren.


Man trifft sie überall: Radfahrer auf Rennrädern, E-Bikes und Liegerädern, geschniegelt mit Technik und Tempo, oft schneller als der Blick nach links und rechts. Jeder kämpft um seine Ideallinie, Rücksicht gilt als Bremsklotz, ein Lächeln als unnötiger Widerstand.

Und dann die Wohnmobilfahrer: Einst eine Gemeinschaft des Grüßens und Helfens, heute oft eine Karawane aus Egoisten. Der Platz ist immer zu klein, der Nachbar immer im Weg – und der Gruß bleibt im Hals stecken. So rollt jeder für sich dahin, auf Rädern oder Reifen, davon überzeugt, dass Freiheit am besten funktioniert, wenn man sie den anderen nicht gönnt.


So, einmal eine Tour ohne Wasser - es ging in die Eifel nach Gerolstein. Ein Grund dafür war auch, daß unsere Enkelin Geburtstag hatte, den sie auf einem Ferienhof in Flemmingen feierte. ( Kann man machen - muß aber nicht...) Gegen 21.30 Uhr fuhren wir weiter nach Gerolstein und fanden einen Stellplatz am Freizeitbad für 13 Euro - mit alles: Strom, W-lan, V/E, Toiletten, Duschen und Schwimmbad-Benutzung!

Wie zu erwarten war der Platz sehr ruhig mit einem richtig netten Platzwart. Am Samstag machten wir dann unseren Spaziergang durch Gerolstein, besuchten die Helenenquelle, die Löwenburg und einen Flohmarkt, auf dem ich natürlich einige Diinge gekauft habe. Beim Gerolsteiner Döner konnten wir gut und reichlich essen.

Sonntags machen wir noch einen kurzen Ausflug zum Gerolsteiner Stausee. Da die Gastro geschlossen war, gingen wir zurück zum Stellplatz und verbrachten den restlichen Tag bei bestem Wetter im Schwimmbad.

Montag - zurück, die Arbeit ruft... Auf der Heimfahrt machten wir noch Zwischenstopps in Schweich und Riol-Triolago - schließlich wollen wir ja nöch öfter wegfahren. Aber beides war nicht unser Ding. Es sind Ferienanlagen mit vielen Freizeit-Aktivitäten, aber mit Campingplatz-Charakter - also nix für uns....


Bewertungen in Stellplatz-Apps sind ein eigenes Kapitel moderner Anspruchshaltung. Eigentlich sollte es sich um einfache Stellplätze handeln – und trotzdem werden fehlende WCs und Duschen bemängelt, als wäre man in einem Wellness-Resort gelandet. Andere zählen mit dem Zollstock die Parzellen nach und erklären sie für unzumutbar, während der Nachbar mit identischem Fahrzeug problemlos steht.

Und dann sind da noch jene, die empört einen Stern vergeben, weil der Stellplatz Geld kostet. Man liest es fassungslos: Infrastruktur soll da sein, Lage perfekt, Ruhe garantiert – aber bitte kostenlos. So wird aus einem einfachen Grund zum Übernachten schnell ein persönlicher Affront, der dringend bewertet werden muss.


Im Land der Bajuvaren

Wieder eine etwas längere Fahrt: Wir waren unterwegs in Bayern. Der erste Weg führte uns nach München an die Allianz-Arena. Blödsinniger Weise hatten wir uns nicht erkundigt, so mußten wir feststellen, daß der Stellplatz dort wegen des Oktoberfestes geschlossen war. Also fuhren wir weiter nach Rosenheim, wo wir einen Platz auf der Loreto-Wiese fanden. Wohnmobil-Plätze waren zwar nicht extra ausgeschildert, aber was soll´s.

Samstags ging es dann in die Stadt. Wir erkundeten die Drehplätze der Rosenheim-Cops und konnten an der Isar ein Drachenboot-Rennen sehen. Danach bekamen wir beim Augustiner einen Erste-Klasse-Schweinsbraten. Der Abend war verregnet, nach einer erneuten Stadtrunde blieben wir im Wohnmobil.

Sonntag - es ging weiter Richtung Chiemsee, auf einen modernen Stellplatz in Bernau. Alles ging vollautomatisch, Kennzeichenerkennung inclusive. Vom Automaten bekamen wir eine Chipkarte, über die alles abgerechnet wurde. Preis pro Nacht 19.- Euro plus Kurtaxe. Der nette Platzwart war sehr hilfsbereit und wir bekamen eine großzügige Parzelle.

Wir verbrachten einen ruhigen Tag, leider fuhren die Dampfer an der etwa 500 Meter entfernten Anlegestelle nur Samstags. Vom Stellplatz aus war die Autobahn deutlich zu hören, aber wir sind ja hart im Nehmen...

Am Montag fuhren wir dann nach Prien, von dort aus ging es mit dem Schiff auf die Herren- und die Fraueninsel und machten die obligatorische Besichtigungstour. Daß es schon Ende September war merkte man auch an vielen geschlossenen Geschäften. Trotzdem war es ein schöner Tag und wir konnten dank Kennzeichenerkennung wieder auf unseren Stellplatz. Die Abrechnung erfolgte dann am Automaten bei der Abreise.

Dienstags ging es dann zurück nach München, einmal auf einen Campingplatz. 2 Nächte - 87,60€ - es lebe der Kommerz! Auf dem Platz Chaos pur, es waren regelrechte Zeltstädte für Oktoberfest-Besucher aufgebaut. Die sanitären Anlagen - na ja, neu waren sie nicht und besonders sauber auch nicht.

Direkt am Platz war zwar eine Bushaltestelle, aber wir bekamen keine Informationen, wie das alles funktioniert. Service geht anders... So gingen wir zu Fuß zur nächsten U-bahn-Station und fuhren zum Marienplatz. Bei gutem Wetter schlenderten wir duch die Münchner Innenstadt, besuchten den Rathausturm und die Frauenkirche. Nach einer Stärkung bei Augustiner fuhren wir zur "Wies´n" und schauten uns das Oktoberfest an. da der Rucksack meiner Frau etwas zu groß erschien, mußten wir ihn für stolze 7 Euro in der Aufbewahrung abgeben - wie schon gesagt - es lebe der Kommerz... Als wir dann wieder zurück zum Campingplatz kamen, fragten uns die Security-Mitarbeiter ganz überrascht, warum wir nicht b´suffen sind...

Mittwoch dann Regen - wir gingen zu Fuß zu den Bavaria-Studios und machten dort die Besichtigungs-Tour mit - sehenswert ! Danach fuhren wir mit der U-Bahn in die Innenstadt und waren beim Italiener gut essen. Irgendwie hatten wir das Gefühl, daß man zur Oktoberfest-Zeit alles noch ein bisserl teurer gemacht hatte, als es eh schon war - Haxnbauer, Schnitzel 35,50€ - Dallmayr-Kaffee 16,50€ - frei nach der TV-Serie München-Mord: Die ganze Stadt ein Depp - das haben wir uns dann doch nicht angetan.

Donnerstags fuhren wir dann Richtung Garmisch - wir wollten ja auch Berge sehen. Wir fanden einen Super-Stellplatz an der Wankbahn. Für 25.- Euro pro Nacht bekamen wir den Service, den wir in München vermisst hatten. WC, Entsorgung, Strom - alles inclusive, tipp-top sauber und eine Gästekarte bekamen wir auch. Die nette Frau am Empfang erklärte uns alles sehr genau - nur die Berge konnte sie uns aufgrund der schlechten Wetters auch nicht zeigen. So fuhren wir mit dem Bus kostenlos in die Stadt und machten einige Einkäufe. Auch in der Tourist-Info wurden wir extrem freundich und präzise beraten.

Freitags machten wir dann unseren Ausflug mit dem Bus zur Olympia-Schanze und dann weiter zur Partnach-Klamm. Nach dem Rundweg besuchen wir noch die Kaiserschmarrn-Alm - Hauptsach gudd gess.... Danach ging es mit dem Bus zurück nach Patenkirchen - und plötzlich: Blauer Himmel und Berge ! Zurück zum Stellplatz fuhren wir wieder mit dem Bus und stellten fest, daß es zu Fuß nur ein paar Minuten zur Stadt dauert - was wir dann nochmal ausprobiert haben.

Samstags beim Frühstück hatten wir dann einen schönen Blick auf die Zugspitze. Im Dauerregen fuhren wir dann durch Österreich nach Füssen, Wohnmobilpark Füssen für 19.- Euro/Nacht zzgl. Kurtaxe. Auch hier bekamen wir die Gästekarte für kostenloses Busfahren. So fuhren wir dann in die Altstadt und besuchten den Lechfall.

Sonntags fuhren wir dann mit dem Wohnmobil zu den Königsschlössern - Parken für 13.- Euro! Von dort ging es mit dem Bus zur Marienbrücke und zu Fuß zurück zum Wohnmobil. Weiter ging es nach Kempten, Stellplatz am Illerstadion - Parkscheinautomat defekt - günstige Übernachtung. Nach der obligatorischen Stadtbesichtigung haben wir noch im Fürsten-Keller sehr gut gegessen und verbrachten eine ruhige Nacht, bevor wir Montags wieder Richtung Heimat fuhren.


Noch ein Wochenende in Remich. Wir kamen Freitags gegen Mittag an und fanden wieder einen Platz auf dem dortigen Stellplatz für 12.-€.

Mittlerweile hatten wir mitbekommen, daß der öffentliche Nahverkehr in Luxembourg nichts kostet, so sind wir nachmittags mit dem Bus nach Schengen gefahren. An diesem Wochenende fand zu unserer Überraschung die Veranstaltung "Mosel in Licht und Flammen" statt, bei dem es in der Dunkelheit beleuchtete Heißluftballons und eine gigantische Lasershow zu sehen gab. Samstags fuhren wir dann mit dem Bus nach Wintrange und machten dort einen Spaziergang durchs Haff Remich. Ärgerlich war, dass sich in den Beobachtungshütten einige "Fotomenschen" breitgemacht hatten, die wohl der Meinung waren, man hätte diese Hütten nur für sie gebaut. Später ging es dann mit dem Bus zurück - in Remich war auch noch ein Mittelaltermarkt, bei dem es tatsächlich ums Thema ging und es keine Ramsch-Klamottenstände gab. Danach sahen wir uns nochmal die Laser-Show an. Sonntags machten wir dann noch einen Abstecher nach Sierck les Bains, besuchten noch einmal den Mittelalter-Markt und ließen das Wochenende ausklingen, bevor wir montags zurückfuhren.


Eine weitere Wochenendtour ging nach Bacherach - das hatten wir schon länger vor. Wir standen direkt am Rhein auf dem Stellplatz Sonnenstrand für 15.-€ incl. Strom und Kurtaxe. Es gab auch direkt etwas zu sehen - nicht weit von unserem Stellplatz hatte sich ein Schiff festgefahren. Samstags machten wir dann einen Rundgang über den Stadtmauerweg und besuchten die Werner-Kapelle, bzw. deren Ruine. Zurück am Stellplatz mussten wir einmal mehr feststellen, dass sich Camper und deren Verhalten seit Corona sehr verändert haben. Sonntags machten wir dann eine Radtour nach Niederheimbach und fuhren mit der Fähre nach Lorch und nach einer kleinen Besichtigungsrunde wieder zurück. In Niederheimbach schauten wir uns noch den Märchenweg an und fuhren zurück zum Stellplatz. Montags ging es dann nach einem Bratwurst-Frühstück weiter nach Bingen.

Dort gab es einen einfachen Stellplatz für 5.- Euro/Nacht - ohne Entsorgung usw. Wir fuhren mit der Fähre nach Rüdesheim und waren dort gefühlt mindestens einmal in jedem Geschäft. Nach dem Abendessen fuhren wir mit der Fähre zurück nach Bingen und schauten uns den Ort an. Nach einem Milchkaffee ohne Milch ging es dann zurück zum Stellplatz. Dienstag vormittags machten wir noch eine Radtour zum Mäuseturm und fuhren nach einem guten Essen im alten Zollhaus zurück.

Anzumerken ist, daß die Bahn im gesamten Mittelrheintal sehr laut ist und die Flußkreuzfahrt-Schiffe gerade an Touristenmagneten eine Plage sind.


Den Jahresabschluss bildete dann ein Wochenendausflug nach Wissembourg, ausser dem Spitzen-Essen im La Mirabel gab es nichts besonderes - Einkaufen bei Match und Action, bekannter Stellplatz und Ärger mit anderen "Campern", die an ihrem Lieferwagen ständig die Türen auf und zu machten. Dazu kam, dass sie ihr Grauwasser einfach laufen ließen, obwohl 10 Meter weiter eine Entsorgung war...