Das erste Wohnmobil

Aus Teilen unseres Wohnwagens und einem Ford Transit für 1000.- Mark habe ich 1992 unser erstes Wohnmobil gebaut. Der nette Mann vom TÜV hatte mir Tipps zum Umbau gegeben – auch dafür, wie ich das Dach höher machen kann. So habe ich das originale Dach abgeschnitten , mit Rahmenblechen versehen und die Seiten mit Blech verkleidet. Das ich es dann so hoch gemacht habe hat den guten Mann vom TÜV zwar überrascht, aber es gab keine Probleme bei der Abnahme.

Im Innenraum gab es 4 Sitz- und 4 Schlafplätze, ein Bett, das man tagsüber nach oben klappen konnte (heute heißt das Hubbett...), einige Schränke und eine Küchenzeile. Auch vom Wohnwagen hatte ich die Kederschiene und das dazugehörende Vorzelt – hier erkannte man den ehemaligen Wohnwagen-Fahrer.

Aus Platzgründen – und weil ich es damals nicht besser wusste – verzichtete ich auf eine Nasszelle und legte mehr Wert auf „Speis und Trank“, also einen Kühlschrank und einen Kocher hatten wir …

An „Wildcampen“ war also nicht zu denken, ebenso hatte das Wort „Autark“ für uns keinerlei Bedeutung. Für uns war dieses Vehikel ein Wohnwagen, der selbst fuhr und wir verbrachten mit dem Teil unsere schönsten Urlaubsfahrten.

Der erste Urlaub führte uns mal wieder an den Lago Maggiore, diesmal nach  Germignaga auf einen blitzsauberen Campingplatz. Wir fuhren nicht nachts sondern abends los, übernachteten auf einem Rastplatz in der Schweiz und kamen ausgeruht in Italien an. Einzig der eingebaute Gaskocher hat durch sein Geklappere genervt, was wir aber durch ein Handtuch in den Griff bekamen.


Monster in türkis

Nach den ersten Urlaubserfahrungen war es an der Zeit, einige Dinge wieder auszubauen und sie durch andere Dinge zu ersetzen – der Bau ging weiter – auch um mehr Platz zu schaffen. Ich verpasste dem WoMo eine „Nase“, baute die Küchenzeile aus (….wir kochten eh immer im Vorzelt) und verbrauchte einige Restbestände an Farbe. Natürlich waren wir mit dem Auto nicht autark unterwegs und machten unsere Urlaube nach wie vor auf dem Campingplatz, wenn auch ohne vorherige Planung oder gar Buchung.

Als Alltagsauto hat sich das Teil allerdings aufgrund seiner Größe nicht bewährt. Trotzdem war das Ding oftmals hilfreich – z.B. beim Kindergartenfest, als etwa 10 Kinder zu fortgeschrittener Stunde darin geschlafen hatten….

Urlaub machten wir natürlich auch – z.B. eine Tour durch Oberbayern, hier führte uns der Weg an den Chiemsee. Wir übernachteten auf einem eigentlich überfüllten Campingplatz bei Prien und waren froh, dass wir die Türen unseres WoMos noch aufmachen konnten, ohne ein benachbartes Zelt oder einen Wohnwagen zu berühren.

Die Tour ging weiter Richtung Königsee – auch dort waren alle Campingplätze hoffnungslos überfüllt. Der nette Campingplatz-Betreiber bot uns aber trotzdem einen Stellplatz vor dem Campingplatz zum halben Preis an – mit Strom und Benutzung der sanitären Anlagen. In der Nacht zog ein heftiges Gewitter auf und wir bekamen eine besondere Vorstellung des „Echos vom Königsee“. Wir unternahmen Ausflüge nach Berchdesgaden und auch zum Kehlsteinhaus. Die steile Zufahrtsstraße brachte unser 72-PS-Auto ziemlich an seine Grenzen – aber das Ding war erstaunlich robust….


Am geplanten Abfahrtstag fuhren wir noch nach Bad Reichenhall zum Einkaufen – und da passierte es: Beim Überqueren einer Straße verlor ich meine Geldbörse, was ich auch sofort bemerkte. Als ich mich umdrehte war sie WEG ! Direkt nebenan stand ein BMW mit 4 „Halbstarken“, die rauchten und Musik hörten. Mir war sofort klar: Die haben meinen Geldbeutel und ich sprach sie darauf an. Der Fahrer erklärte mir, dass ein älterer Herr mit einem Rennrad angehalten und den Geldbeutel mitgenommen habe…. Klar, da kommt schon wieder einer mit dem Rennrad….
Auf Drängen meiner Frau fragte ich mich dann zur Polizei durch um den Verlust anzuzeigen (zwar nicht viel Geld, dafür umso mehr Papiere…).

Nachdem ich dem freundlichen Polizeibeamten den Vorgang geschildert hatte sagte er trocken: „ach so, eine schwarze ? Da hat vorhin ein älterer Herr angerufen, der den Geldbeutel gefunden hat und ihn morgen zum Fundamt bringt.“ Wir waren erleichtert und verbrachten eine weitere Nacht im einige Kilometer entfernten Piding.
Am nächsten Tag bekam ich meinen Geldbeutel mit kompletten Inhalt zurück und wir konnten uns auf den Heimweg machen. Der ehrliche Finder hatte übrigens ausdrücklich auf einen Finderlohn verzichtet – dafür bekam ich seine Adresse – und er ein Paket mit Pfälzer Spezialitäten.

Auf dem Rückweg machten wir noch Station am Titisee im Schwarzwald.

Es ist kaum zu glauben, was in unser Auto alles reinpasste. Fahrräder, alle möglichen Spiel- und Strandsachen, ein Schlauchboot mit E-Motor, alle Dinge des täglichen Bedarfs und natürlich gekühlte Getränke.

Eine weitere Urlaubsfahrt führte uns entlang der ligurischen Küste – nach einer Nacht bei Celle Ligure landeten wir bei „Camping Charly“ in Savona und verbrachten dort einen wunderbaren Urlaub. Nur: Radfahren in Italien – das ist so eine Sache…


Camping Charly

Auch die nächsten beiden Urlaube verbrachten wir bei Camping-Charly in Savona – zunächst in einem Ferienhäuschen auf dem Platz, das eigentlich nur etwa 5 Mark pro Nacht teurer war, als ein Stellplatz. Dafür brauchten wir uns weder um Strom, noch um Gas oder Betten zu kümmern. Wir hatten dafür unser Auto dabei und konnten die Umgebung nach Belieben erkunden. Dabei fanden wir auch eine Art Imbiss an der Küstenstraße, an dem es die besten Hamburger der Welt gab.

Obwohl wir es hätten wissen müssen machten wir das nächste Mal wieder einmal Urlaub mit Zelt und einer befreundeten Familie (die in einem der vorher erwähnten Ferienhäuschen schlief). Bei diesem Urlaub stellten wir einmal mehr fest, dass Zelten nicht für uns erfunden wurde. Dafür brachten unsere Bekannten den Opa mit, der uns jeden morgen pünktlich um 8 Uhr die Brötchen zum Frühstück brachte. Für uns absolut unverständlich gab es pünktlich um 12 Uhr Mittagessen – glücklicherweise konnten wir uns darauf einigen, abends irgendwo essen zu gehen. Danach ging es nochmal an den Strand oder zum Luna-Park, einer Art Jahrmarkt, der das ganze Jahr über geöffnet hat.

 

Wie auch immer, wir verbrachten schöne Zeiten in Savona, wenn auch diese Besuche nicht ganz so gut wie der Erste waren.